Geistliche Impulse

Herzlich willkommen zur Andacht zum persönlichen Gebet zum 4. Sonntag nach Trinitatis 2022!

Unsere Glocken haben geläutet. Es ist Andachtszeit. Zu Beginn hörten wir ein Orgelpräludium von Carl August Kern, einem hessischen Lehrer, Organisten und Komponisten, der von 1836-1897 lebte. Sein Stück in G-Moll, zwar ein wenig schwerfällig; aber es endet in G-Dur, als hätte jemand einem anderen eine Last abgenommen.

Liebe Schwestern und Brüder!

In unserer letzten Andacht nannte ich die 4 herausragenden Merkmale, die das Wirken des historischen Jesus kennzeichnen. Und es heißt ja auch, dass Jesus lehrte, wie Menschen ihre Lebenslasten besser tragen bzw. ertragen. Aber Jesus lehrte auch die Hingabe zum Mitmenschen und praktizierte sie selbst bis zur letzten Konsequenz, indem er sein Leben hingab. Das nennt der Apostel Paulus das "Gesetz Christi" und ermahnt: "Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." So steht es in seinem Brief an die Galater im Kapitel 6, Vers 2 und das ist der Spruch am 4. Sonntag nach Trinitatis und für die ganze Woche danach.

Warum "Gesetz Christi"?

Die Galater waren eine merkwürdige Christengruppe, nicht weil sie in der römischen Provinz Galatien lebten - das ist das Gebiet um die heutige türkische Hauptstadt Ankara herum -, sondern weil sie tatsächlich "Gesetz"lich wurden und einander Vorschriften machten bis ins kleinste Detail, wie man als Christ zu leben hat. Er nennt sie sogar seufzend: "O, Ihr unverständigen Galater, wer hat euch bezaubert..?" Und mit ihrem eigenen, wahrscheinlich oft gebrauchten Wort will er sie zurück auf den rechten Weg bringen, indem er die gegenseitige Unterstützung, "Einer trage des anderen Last..." als "Gesetz Christi" bezeichnet. Will heißen: Wenn Ihr schon sosehr Gesetze erfüllt sehen wollt, dann erfüllt gefälligst vor allem das Gesetz Christi, indem ihr Schwache unterstützt und ihnen die Lasten - welcher Art auch immer - abnehmt. Aber dieser Spruch - von manchen scherzhalt als "Eselspruch" bezeichnet - ist nicht nur historisch überliefert, gilt nicht nur den Galatern, sondern uns Christen allen.

Freilich: Wer eines Anderen Last trägt oder mitträgt, soll nicht vergessen wessen Last bzw. Problem das ist. Das ist ein wichtiger Grundsatz bei aller Hilfsbereitschaft, die gewiss ein edler menschlicher Charakterzug ist. Es wäre schön, wenn sich allgemein die Hilfsbereitschaft als "typisch für Christen" ausprägt und herumspricht. Und wenn man in einer Sache nicht selbst helfen kann, dann kann man eventuell wenigstens Hilfe vermitteln.

Auch da ist Weisheit geboten, zu überlegen, ob und wie man helfen kann. Wenn unter uns Christen sich niemand im Stich gelassen fühlt, ist schon viel gewonnen. -AMEN-

Unsere Liedempfehlung: EG 644 "Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt". Im Internet unter diesem Titel leicht zu finden.

Zum folgenden Gebet lade ich herzlich ein:

Herr Jesus Christus, du hast uns vollkommene Liebe und Hingabe vorgelebt und uns geboten, einander zu unterstützen. Ich danke Dir für alle Hilfe und Unterstützung, die ich in meinem Leben erfahren habe und bitte dich: Schenke mir viel Weisheit im Umgang mit anderen Menschen, dass ich wahrnehme, wo und wie ich Lasten anderer tragen kann. Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest jetzt in dieser Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. -AMEN-

VATER UNSER IM HIMMEL.....-AMEN-

Mit einem Abendhymnus in C-Dur vom Komponisten und Musikpädagogen Gustav Adolf Merkel (1827-1885) beenden wir unsere heutige Andacht.

Eine gesegnete Woche allen Lastenträgern wünschen mit herzlichen Grüßen Ihr Pfarrer Manfred Greinke und Ulrike Lau-Hartl.

Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. AMEN.