Geistliche Impulse

Die Glocken der Eginger Kirche haben ausgeläutet. Wenn sie erklingen, ist das immer ein Ruf zum Gebet, wenn auch nicht immer zum gemeinsamen.

Rogate! - Betet! Ein Wort - Ein Satz! So heißt der 5. Sonntag nach dem Auferstehungsfest. Und weil unser christliches Beten immer etwas mit dem Mustergebet Jesu, dem "Vaterunser" zu tun hat, hörten wir zu Beginn auch ein Choralvorspiel von Johann Krieger zum Lied EG 344 "Vater unser im Himmelreich" Johann Krieger lebte von 1651 - 1735.

Herzlich willkommen zur Andacht zum persönlichen Gebet am Sonntag Rogate 2022!

Liebe Schwestern und Brüder!

Im Psalm 66 steht der Wochenspruch für diese neue Woche, und zwar in Vers 20: "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet." Es ist die verschriftlichte Erfahrung eines Psalmdichters mit Gott. Ganz wörtlich übersetzt: "Gepriesen sei Gott, der nicht beseitigte mein Beten, noch seine Huld von mir." Gott verwirft oder beseitigt kein einziges aufrichtiges Gebet. Und er wendet seine Huld nicht vom Beter. "Huld" - ein altdeutsches Wort, oft vom Begriff "Güte" ersetzt. "Huld" ist eine völlig freiwillige Zuwendung zu einem Menschen, sogar unabhängig von dessen Charakter und Verhalten, und zwar nur, weil es demjenigen Freude bereitet, der huldvoll ist.

Dieser Spruch sagt nicht, dass Gott alle unsere Wünsche erfüllt, die wir im Gebet Gott vortragen. Aber es ist trotzdem gut und richtig und sehr wichtig, wenn wir unsere Herzenswünsche ihm nennen. Er kennt sie ja schon vorher, aber er will dass wir sie im Gebet ausdrücken. Gott hält nämlich viel von guter und vertrauter Kommunikation. Eine Anrede sagt schon viel über eine Beziehung aus: "Herr Doktor!" "Herr Präsident", "Frau Ministerin" - das zeigt großen Abstand. "Frau Meier", "Herr Müller". Das zeigt auch noch Abstand, aber nicht mehr ganz so großen. "Erna", "Hans", also den Vornamen nennen, das bedeutet schon Nähe. Aber ganz große Nähe zeigen Anrede wie: "Schätzchen", "Herzchen", "Liebling". Und "Mami" und "Papi" zeigen äußerste Nähe und Vertrauen. Bei Mami und Papi kann man sich so richtig einkuscheln.

Solch eine enge Herzensbeziehung zwischen uns und Gott hält Jesus für angemessen. In seiner aramäischen Mutterspreche sagte er: Avinu=Papi. Wenn wir also "Vater unser" sagen, dann können wir uns "Papi unser" mitdenken. Das lehrt Jesus. Und das ist das Wichtigste in Sachen Gebet. Jemand sagte: "Gebet ersetzt keine Tat. Aber Gebet ist eine Tat, die durch keine andere ersetzt werden kann." Das ist wahr. -AMEN-

Also bete mit mir, wer kann:

Lieber himmlischer Vater, ich freue mich über solche Nähe zu dir, dass sich meine Seele bei dir gleichsam einkuscheln kann und bei dir geborgen ist. Ich danke dir, dass du dich mir immer wieder zuwendest. Lehre mich, das Wert zu schätzen. Und ich will dir alles anvertrauen, was mein Herz bewegt, und dir immer vertrauen, auch wenn meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Lehre uns Menschen, unsere Wünsche mit deinem Willen in Übereinstimmung zu bringen. Das bitte ich dich heute durch Jesus Christus, unseren Herrn, der so beten gelehrt hat:

VATER UNSER IM HIMMEL.....-AMEN-

Unsere Liedempfehlung: EG 596 "Harre, meine Seele". Leider fehlt dort die 3. Strophe: Hier ist sie:

"Harre, meine Seele, harre des Herrn! Alles ihm befehle, hilft er doch so gern./ Bald höret auf unser Pilgerlauf, / und die Klagen schweigen; Jesus nimmt uns auf. / Nach allen Leiden, nach aller Not / folgen ew`ge Freuden. / Gelobt sei Gott!"

Auch im Internet unter diesem Titel zu finden.

Zum Beschluss unsere Andacht erklingt ein "Benedicamus", in zweistimmiger Kanon "Gepriesen sei Gott" von Michael Praetorius, der von 1571 - 1621 lebte.

Eine Gebetswoche mit neuen, guten Gebetserfahrungen wünschen mit herzlichen Grüßen.

Ihr Pfarrer Manfred Greinke und Ulrike Lau-Hartl.

Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. -AMEN-